Adelige Machtstrukturen

Der Machtbereich der frühen Herrschaftsinhaber war noch nicht durch territoriale Grenzen festgelegt. Er fußte nur auf dem Gefolgschaftsverband aus denjenigen Grundherren, die sich ihnen, oft erst durch Landschenkungen erkauft, angeschlossen hatten. Entgegen vielen bisherigen Veröffentlichungen erstreckte sich die Hoheit der „Mark Pitten“ (die Bezeichnung „Waldmark“ stammt erst aus der Renaissance) mangels Gefolgsleuten unter den hiesigen Grundbesitzern nicht auf unser Gebiet. Am linken Ufer der Schwarza bis zur Piesting waren nicht die in Pitten sitzenden Formbacher, sondern die aus Steyr an der Enns stammenden traungauischen Otakare (Otakar I. – Otakar IV.) schon mindestens ab 1056 dominierend, bevor sie 1158 die Pittner Mark von den Formbachern erbten.

Die Schrattensteiner gehörten also zunächst der Gefolgschaft der formbachischen Herren von Pitten an und wechselten womöglich noch vor deren Aussterben 1158 zu den Otakaren.

Ihr Grund- und Untertanenbesitz hatte seinen Schwerpunkt im heutigen Gemeindegebiet von Schrattenbach, ergänzt durch Streubesitz in der Umgebung.

Politische Herrschaftsgebiete

1156 wurde (Nieder)Österreich zu einem Herzogtum unter den Babenbergern mit erstmalig festgelegten Grenzen. Es reichte bis zur Piesting und zur Leitha. Erst 1180 wurde das Gebiet der Otakare ebenfalls ein Herzogtum. Es erhielt zur Erinnerung an die Herkunft der Otakare aus Steyr den Namen „Steiermark“. 1186 vermachte der kinderlose und schwer kranke Otakar IV. die Steiermark den Babenbergern.

1192 starb Otakar IV. und nun besaßen die Babenberger auch über unser Gebiet die Oberherrschaft durch ihr Doppelherzogtum, bestehend aus (Nieder)Österreich und der Steiermark. Nach dem Tod des letzten Babenbergers Friedrich des „Streitbaren“ 1246 entbrannten heftige Kämpfe um das Erbe, wobei auch Schrattenstein 1252 durch König Béla von Ungarn erfolglos belagert worden sein soll. 1254 fiel unser Gebiet an Přemysl Ottokar II. von Böhmen und die „Grenze“ rückte erstmals auf den Semmering. Noch mehrmals kam es für kurze Zeit zu einem Wechsel in der Zugehörigkeit und erst ab 1500 endete (Nieder-) Österreich, auch im erst allmählich entstandenen Landesbewusstsein des Adels und der Bevölkerung, endgültig am Wechsel und Semmering.


Grenzverlauf:
Im Banntaiding wird folgender Grenzverlauf festgehalten:
"Erstlich hebt si sich an in der Deubrüß (Rieß Eingang Johannesbachklamm) geen Khupfferberg in Wierschlag, vom Würschlag (Wasserwehr Aumühle?) an in Weinfuhrt, von Weinfuhrt an Halberg (Talberg), vom Halberg in die Zörwandt ins Tettenlueg (Kettenluß), vom Tettenlueg an Khatzenstain (Kartstein), vom Khatzenstein widerumb in die Deubriß."


Nachbarherrschaften:
LageplanDer Besitz der Schrattensteiner war einst von folgenden Burgherrschaften umschlossen:

  • Im Süden: Flatz (der heutige Pfarrhof von St. Lorenzen war einst die Burg Flatz); Neideck (diese Burg stand am Kalvarienberg bei Hintenburg); und Stixenstein.
  • Im Westen: Puchberg und Stolzenwörth.
  • Im Norden: Höflein mit Grünbach
  • Im Osten: Rothengrub und Wulfingstein (Wulfingstein war der ursprüngliche Name der Burg Dachenstein bei Strelzhof).