Die Burg Schrattenstein

Als früheste Erwähnung findet sich 1182 ein Chalhoch de Scratensteine in einer Urkunde des steirischen Herzogs Otakar IV., gemeinsam mit anderen steirischen Ministerialen. Die „Chalhoche“ und „Ortolfe“, wie ihre Leitnamen lauteten, sind schon zuvor bei Neunkirchen und Hart begütert gewesen und waren zunächst wohl Gefolgsleute der Herren von Pitten. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts expandierten sie über den Kettenlus nach Norden, errichteten sich auf dem Schrattenstein einen prächtigen Herrschaftssitz und schlossen sich dem Gefolge der otakarischen Traungauer an. Der Besitz blieb bis ca. 1300 beim Geschlecht der Schrattensteiner (zunächst als freies Eigentum, ab ca. 1280 als Lehen der Burggrafen von Nürnberg). Danach waren die Herren von Haunsfeld Lehensnehmer und ab 1364 die Herren von Ebersdorf. Unter diesen wurde die Herrschaft Schrattenstein mit Stolzenwörth und Rothengrub vereinigt und von Rothengrub aus verwaltet. Nach den Herren von Pögel und den Herren von Schärffenberg erwarb Graf Hoyos die Herrschaft Rothengrub und gliederte sie seinem Majorat Stixenstein ein, wo Schrattenstein auch nach Abschaffung der Adelsherrschaft 1848 bis 1937 verblieb. Heute besitzt die Stadtgemeinde Wien das Areal.

 


....hier finden Sie in chronologischer Auflistung urkundliche Erwähnungen.
1182
„Chalhoch de Stratensteine“, Zeuge auf einer Urkunde, in welcher Markgraf Ottokar IV.
von Steiermark, die von seinem Vater gewidmeten Freiheiten des Stiftes Seckau bestätigt.
1186 am 17. August, wurde zu Georgenberg an der Enns, zwischen Ottokar von Steiermark
und Herzog Leopold V. von Österreich, ein Erbvertrag abgeschlossen. Leopold erhielt die gesamte Steiermark samt den nördlich vom Semmering und Hartberg gelegenen Allodialgütern. Die Grenze zwischen Österreich und Steiermark bildeten damals die Piesting. Schrattenstein gehörte damals also zur Steiermark.
1196 „Ortolfus de Shratenstain“ wird ebenfalls in einer Urkunde des Grafen Ottokar als Zeuge genannt.
1207 am 22. Februar, wurden der Pfarrer von Neunkirchen und der Pfarrer von Fischau, sowie ein „magister A. de polane plebani“, vom Papst als Schiedsrichter eingesetzt, und zwar in einem Streit über Zehente in der Pfarre Pütten, zwischen dem Stifte Reichersberg und „Ortolf de Scratenstain“. Die Zehenten wurden dem Stift Reichersberg zugesprochen.
1222 am 26. März, wird von Herzog Leopold VII. zu Aspang ein Streit zwischen dem Kloster Vormbach und Gloggnitz und der Erben des Grafen Ortof von Schrattenstein, wegen 24 Liegenschaften und einer Mühle (24 areis et uno moledino), dahin entscheiden, dass noch der Enkel des erwähnten Schrattensteiners im Besitze dieser Realitäten bleibt, diese aber nach dem Tode Ortolfs an Vormbach als Eigentum kommen sollen. Als Zeugen auf der hierüber ausgestellten Urkunde sind angeführt: Rudolfus de Sirnikch (Sieding?), Wolfingus de Losenhaim und Albero de Dunchestaine (Dunkelstein). Ortolph von Schratenstain hatte nach seinem Ableben drei minderjährige Kinder hinterlassen.
1233 hatte Richer von Gutenstein, ein Ministeriale Friedrichs des Streitbaren, Besitzungen in Würflach. Dessen Witwe „Ellwys“ (eine Schrattenstein?) lebte bis 1263 in Würflach und trat dann in das Nonnenkloster zu Seckau ein.
1244 hatte Herzog Friedrich von Babenberg, der Streitbare, von Straelze (Strelzhof) aus, wo er sich kurze Zeit aufgehalten hatte, die Burg Schrattenstein, wie auch die Vesten Wufingstein, Rothengrub, Würflach, Höflein und Stolzenwörth, besucht. Zwei Jahre Später fiel der Herzog in der Schlacht an der Leitha, gegen die Ungarn. Er war der letzte Babenberger.
1247 „Chaloch de Schratenstayn“ (II) stiftete eine mit Renten von Gütern in Neunkirchen, für im Kloster
Admont. Chalhoch II. hatte noch mehrere Söhne. Einer von denen (Chalhoch III.) schenkte ebenfalls dem Kloster Admont das Gut Baumgarten bei Pitten (Petersbaumgarten), für die Aufnahme seiner beiden Töchter „Irmgard“ und „Gertrud“. Das dreieckige Siegel der Urkunde zeigt einen Lilie und hat die Umschrift: „S. Chalochi de Schratenstein“. Diese Urkunde wurde in Würflach ausgestellt. Ein weiterer jüngerer Sohn Chalhochs II. namens „Ortolf (II.)“, war in Wien begütert und schien sich auch dauernd in dieser Stadt aufgehalten zu haben.
1249 schenkte ein „Calochus de Wirvelach“ (von Schrattenstein) dem Spital am Semmering eine Gült von sechs Urnen Bergrecht zu Würflach für ein ewiges Licht. Hierbei wird auch ein „Bertholdus offizialis de Wirvelach" erwähnt.
1254 fiel Schrattenstein mit dem ganzen Bezirk Neunkirchen endgültig an Österreich.
1259 taucht wieder ein „Chalhoch de Wirvelach“ (III.) auf, der auf Schrattenstein saß. Vielleicht übersiedete das Geschlecht der Schrattensteiner kurz darauf überhaupt zu dem bequemer gelegenen Würflach, und auf die Burg Schrattenstein wurde ein Pfleger gesetzt.
1275 verkaufte Ortolph von Schratenstein und seine Gattin Dietmudis, ein Wiener Haus das sie kurz vorher geerbt hatten.
1278 wird wieder in „Chalhoch nobilis vir (edler Mann) de Schratenstain (III.) in einer Urkunde genannt. Er hinterließ nach seinem Tode zwei Töchter mit dem Namen „Mathilde“ und „Agnes“. In einer weiteren Urkunde werden noch zwei weitere Töchter mit dem Namen „Margarete“ und „Reichgart“ genannt. Mathilde und Agnes dürften beim Tode Chalhochs noch ledig (minderjährig) gewesen sein, während „Margarete“ und „Reichgart“ bereits verheiratet waren. Eine der beiden Letztgenannten dürfte einen „Haunfelder“ geheiratet haben. Im Jahre 1278 hatte Otkar Prezmysl, der Böhmenkönig, der auch Herzog von Österreich war, in der Schlacht bei Dürnkrut sein Leben verloren und „Friedrich von Hohenzollern“ erhielt von „Friedrich von Habsburg“, dem Sieger der Schlacht, dafür, dass er ihm beigestanden hatte die Burgen Rothengrub, Höflein, Schrattenstein und Stolzenwörth geschenkt. Die Bewohner von Schrattenstein waren daher künftige Lehensträger deutscher Fürsten. So hatten die „Hauenfelder“, die auf Schrattenstein saßen, nicht zu freiem Eigen, sondern nur als Lehen der Burggrafen von Nürnberg.
1349 war ein heftiges Erdbeben wobei auch Schäden auf der Burg Schrattenstein entstanden.
Als Lehensträger der „Burggrafen von Nürnberg“ scheinen in kurzer Zeit und Reihenfolge mehrere Geschlechter auf. Zunächst die „Haunsfelder“.
1364 verkaufte „Jörg (Georg) von Hauenfeld“ die „halbe veste Schrattenstain“ an „Peter von Ebersdorf“ und ein Jahr darauf überließ sein Bruder „Stephan von Hauenfeld“ dem gleichen Käufer auch die andere Hälfte. Diese Käufe erfolgten mit Zustimmung ihres Lehenherrn „Graf Friedrich von Nürnberg“. „Peter von Ebersdorf“ der die Burg Schrattenstein nun „samt allem Zugehör“ besaß, war oberster Kämmerer in Österreich.
1369 kaufte „Peter von Ebersdorf“ von „Berthold von Pergau“ das Gut Stolzenwörth und empfing dazu von „Kadolt von Eckartsau“, dem Verweser der brandenburgischen Lehensgüter, die Belehnung. Die Ebersdorfer ließen Schrattenstein anfangs durch Burggrafen verwalten. Zwischen 1356 und 1388 werden ein „Niclas“ und ein „Chawncz“ (Kauntz) als Burggrafen von Schrattenstein genannt. Unter den Ebersdorfern wurde die Burg bedeutend vergrößert.
1416 wies „Albrecht von Eberesdorf“ seinem Bruder „Hans“ die Einkünfte aus verschiedenen Gülten an, damit er mit diesem Geld „den obern alten stokch in dem obern Haws hoher mawern sol“
1429 überließ „Hans von Ebersdorf“ dem „Siegmund von Ebersdorf“ „seinen teil ander vesst Schratenstain als die mit der rinkchmawr und purkchstal umabfangen ist.“ Er hielt sich allerdings ein Öffnungsrecht vor, das die Burggrafen, die Sigmund dort einzusetzen gedenke, zu respektieren hätten. Das heißt, er durfte die Burg jederzeit unbehindert betreten.
1440 erwarb „Hans von Ebersdorf“ von „Albrecht von Ebersdorf“, mit Einwilligung seines Lehensherrn, Markgraf „Friedrich von Brandenburg“, dessen „sechsten tail an dem haws Schrottenstein als daz mit der Mawer unt der und mit dem hausperg und mit der clausen vor dem Haus umabfangen ist“. Im selben Jahr überließ ihm „Siegmund von Ebersdorf" seinen ganzen Anteil an Herrschaft und Burg. Von dieser Zeit an hat „Hans von Ebersdorf“ die Burg Schrattenstein häufig selbst bewohnt.
1442 Ihm wurde ein eigener Kaplan für seine Burgkapelle gewährt, der dort die Messe lesen konnte und die Beichte des Herrschaftsinhabers und dessen Angehörigen entgegennehmen konnte.
1463 hatte der „Pfleger zu Schratenstain“ mit dem Burggrafen der kaiserlichen Herrschaft Stixenstein einen Streit.
1482 wird die Burg Schratenstein vom Ungarkönig „Mathias Corvinus“ belagert und niedergebrannt.
1500 (zirka) haben die „Wallseer“ die Herrschaft Schrattenstein von „Benedikt dem Ebersdorfer“ empfangen. „Reinprecht V. von Wallsee“ übergab allen Besitz seiner einzigen Erbtochter „Barbara“, die ihrem Gatten „Siegmund von Schaumberg“ die halbe Burg Schrattenstein schenkte. Siegmund war Erbmarschall von Österreich und Steiermark.
1530 verkauften die Ebersdorfer endgültig Schrattenstein, mit den anderen burggräflich-Nürnbergischen Lehensherrschaften Rothengrub, Neusiedl a. Steinfeld und Stolzenwörth, an „Sebald Pögl“.
1542 war Pögl jedoch genötigt, diese Güter dem „Erasmus von Scherfenberg“ zu verkaufen.
1556 verkaufen auch „Erasmus und Ulrich von Schärffenberg“ die Herrschaft Schrattenstein, zugleich mit Rothengrub, an den Freiherrn „Johann Baptist Hoyos“. Dieser Verkauf war jedoch Anlass zu einem sich länger hinziehenden Prozess, da er ohne Zustimmung des Markgrafen von Brandenburg, erfolgt war. Die Burg Schrattenstein war damals bereits Ruine. Sie wird im selben Jahr bereits als „ode veste“ bezeichnet. Als Zufluchtsort für die Bewohner von Puchberg, St. Johann, Sieding und Flatz wird Stixenstein bestimmt, da der „Schraitenstein abgeschafft“ sei.
1590 am 15. September, fand ein heftiges Erdbeben statt, bei welchem ein Stück Außenmauer ausbrach und eine Innenmauer einstützte.
1663 wurden, anlässlich der drohenden Türkengefahr, der Bevölkerung ihre „Zuflucht-Stätt“ bekantgegeben. Schrattenstein, Höflein, Würflach und Stolzenwörth waren nicht mehr darunter; sie waren damals schon in einem derart schlechten Zustand das ein Schutz vor Feinden nicht mehr gegeben war.
1683 soll aber dennoch, einer mündlichen Überlieferung zufolge, die Burg Schrattenstein von den Türken zerstört worden sein. Ein Teil der Bevölkerung hatte sich wahrscheinlich dorthin geflüchtet und in der „Ruine“ notdürftig verschanzt.
Seit dieser Zeit blieb die einst stattliche Burg nun endgültig dem Verfall ausgesetzt.
1937 wurde die „Ruine Schrattenstein“ mit allem umliegenden Grundbesitz, gemeinsam mit dem Schloss Stixenstein an die Stadt Wien verkauft, die sie derzeit noch besitzt.


Erstellt von Baumeister Johann Riegler, überarbeitet von GR DI Paul Bock