Unsere Gemeinde - Besiedelungsgeschichte:

Weibliche IdolfigurineHPIn unserem Gemeindegebiet haben sich schon vor sehr langer Zeit Menschen aufgehalten. Als ältester Nachweis konnte vor kurzem am Burgfelsen von Schrattenstein ein etwa 5000 Jahre altes Venusidol gefunden werden. Der Platz war also möglicherweise schon vor Jahrtausenden ein Kultzentrum. Eine ausführliche schriftliche Befundung der aus Ton angefertigten und mit Punkten verzierten Figurine steht noch aus.

Zahlreicher sind schon Spuren aus der Bronzezeit um ca. 900 v.Chr., vorwiegend Schmelzplätze auf den umliegenden Höhen (z.B. Kuhberg, Bodenanger). Auch die Anwesenheit von Slawen ist vom 7. - 9. Jahrhundert anzunehmen, vor allem durch viele aus dem Slawischen stammende Ortsnamen in der Umgebung (z.B. Sieding, Strelzhof).

Der Hauptschub der deutschsprachigen Besiedlung erfolgte ab 1042 nach dem endgültigen Sieg über die immer wieder einfallenden Magyaren bei Pitten. Er war schon nach etwa 200 Jahren abgeschlossen. Die verschiedensten Herren rodeten unabhängig von bestehenden Burgen nebeneinander mit bayrischen Leibeigenen die Wälder, um Ackerland zu schaffen. Die Kolonisten erhielten dann die entstandenen neuen Höfe als Lehen und wurden dadurch hörige Bauern. Diese Rodungsherrschaften sind nicht schriftlich festgehalten. Rückschließend von den zahlreichen verschiedenen Besitzverhältnissen der Höfe bei uns waren aber ziemlich sicher Stixenstein, Emmerberg, Vöstenhof (Neydegghof) und Schrattenstein beteiligt.

Diese vielen Grundherrschaften nebeneinander führten bald zu Verwaltungsproblemen. So wurde die Herrschaft mit den meisten Grundholden in einer Region zur Vogteiherrschaft, die für die Rechtssprechung bei leichteren Übertretungen zuständig war. Von Schrattenbach ist das diesbezügliche interessante Banntaiding erhalten, mit dem die Herrschaft Schrattenstein Recht über die Einwohner von Greith, Schrattenbach, Hornungstal und Rosental zu sprechen hatte. Damit waren bereits die Grundlagen für die Schaffung der Gemeinde Schrattenbach nach Aufhebung der Adelsherrschaft 1848 gegeben. Pfarrlich gehörte Schrattenbach schon seit der Gründung der Pfarre Grünbach im 13. Jahrhundert zu diesem Pfarrsprengel.

Die weitere Entwicklung der Ortsgemeinde

Schrattenbach war durch Jahrhunderte eine kleine, sich selbst versorgende bäuerliche Gemeinde. Die Menschen waren bescheiden und lebten vom Ertrag ihrer Landwirtschaften, der sich aus etwas Sommer- und Wintergetreide, Obstbau und Viehhaltung zusammensetzte. Nur durch den Verkauf von Holz aus den Wäldern kam man zu etwas Bargeld. Das einzige Sägewerk diente nur dem Eigenbedarf, Pecherei wurde erst ab dem 19. Jahrhundert betrieben.

Erst durch das Auffinden der Steinkohle um 1823 in Grünbach entstanden mit dem damit verbundenen bescheidenen Bevölkerungszustrom einige gewerbliche Betriebe und der neue Stand des Arbeiters, da nun viele Arbeit im Bergwerk fanden.

Ein wichtiger Faktor neben dem Bergwerk in Grünbach, war auch die Erschließung unserer nächsten Umgebung wie Schneeberg, Rax und besonders das Gebiet der Hohen Wand. Dadurch konnten schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bergsteiger, Touristen und Erholungssuchende unsere schöne Umgebung genießen.

Von ganz besonderer Bedeutung für diese Erschließung, in wirtschaftlicher und fremdenverkehrsmäßiger Hinsicht, war die Inbetriebnahme der Schneebergbahn im Jahre 1897. Im Personenverkehr sowie auch im Fernverkehr mit Wien stellt die Schneebergbahn bis heute eine unmittelbare Verbindung mit dem Zentralpunkt Wiener Neustadt dar. Im Güterverkehr stand natürlich der Kohletransport an erster Stelle. Der Verkehr auf der Straße dagegen war zweitrangig und wirtschaftlich bedeutungslos. Er diente hauptsächlich der menschlichen Kommunikation von Ort zu Ort und der Verbindung mit den Verwaltungszentren Neunkirchen und Wiener Neustadt. Durch die zunehmende Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch die kleineren Bezirksstraßen ausgebaut. Einen gewaltigen Impuls erhielt in unserer Region der Straßenverkehr durch den Bau der Südautobahn A2 und der Trassierung der Zubringerstraßen. Beide Komponenten, Bahn und Straße, waren und sind die wichtigsten Faktoren, dass unsere Region gern besucht wird.

überarbeitet:

MR. Dr. Georg Reisner, August 2015